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Author Topic: story - F bedeutet Headgear  (Read 2249 times)

Offline silver-moon-2000

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Re: story - F bedeutet Headgear
« Reply #15 on: 13. June 2022, 16:58:43 PM »
Kapitel 16/16

Ein paar letzte Details seien noch verraten:

Vielleicht hat es damit zu tun, dass sie von Großmutter und Mutter nur positive Dinge gehört hat und deshalb ihr Blick auf die neue High-School nicht objektiv ist, aber es gefällt ihr dort. Sie fühlt sich von Anfang an in Bedford richtig aufgehoben und es macht - auch dank der interessanten Extra-Kurse - deutlich mehr Spaß als die High School.



Einen Großteil ihrer Schulgefährten verliert sie ziemlich schnell aus den Augen. Wie befürchtet nimmt auch der Kontakt mit Mike, LaToya und Amy deutlich ab. Ein paar Mal treffen sie sich noch, doch da jeder von ihnen neue Freunde findet, wird es immer schwieriger, Zeit für ein Treffen zu finden. Und - so schade es auch ist - für alle Vier wird es im Lauf der Zeit immer weniger wichtig, sich mit den "alten Freunden" zu treffen. Jeder lebt nun sein eigenes Leben.



Der Vater schlägt vor, nicht ein ganzes Jahr lang bis zu den nächsten Sommerferien zu warten, um nach Frankreich zu fliegen, sondern den Urlaub in die Weihnachtsferien zu verschieben und Neujahr in Europa zu feiern. Das erregt so viel Interesse, dass tatsächlich direkt nach den Weihnachtsfeiertagen die Koffer gepackt werden.

Und weil das sowieso eine Zeit ist, in der alles zur Ruhe kommt und auch die elterlichen Betriebe eine Stufe zurückschalten, haben die Eltern beschlossen, dass man statt einer Woche auch zehn Tage in Frankreich bleiben könne. So kommen die Angestellten in den Genuss von ein paar bezahlten Extra-Urlaubstagen. Und so bleibt auch Zeit, dass die Eltern ihrer Tochter die Orte zeigen können, wo sie ihre Flitterwochen verbracht hatten.



Als es an der Zeit ist, die Koffer für den Urlaub zu packen, ist Rosa überhaupt nicht genervt, als sie von der Mutter daran erinnert wird, die Außenspange mitzunehmen. "Ja, Mama, keine Sorge, ich vergess' das Ding schon nicht."

Ja, sie muss ihre Außenspange noch tragen; das Behandlungsgerät hat seine Funktion noch nicht erfüllt. Inzwischen hat Rosalynn die Spange aber lange genug getragen, um mit Zuversicht sagen zu können: "Solange ich damit nicht in die Uni muss, kann ich mit dem Zaumzeug leben. SO schlimm ist es ja nicht! Solange ich damit nicht durch Menschenmassen laufen muss, komme ich klar."

Es hätte also die "Ermahnung" ihrer Mutter gar nicht gebraucht. Hätte man ihr aber zu Beginn ihrer Behandlung gesagt, dass sie freiwillig und bereitwillig ihre Außenspange mit nach Frankreich nehmen würde, Rosa hätte laut gelacht.

Und doch... Sie freut sich natürlich nicht darauf, im Urlaub das Headgear zu tragen. Sie kann sich durchaus schönere Dinge vorstellen. Zum Beispiel ein Urlaub OHNE Außenspange. Auf der anderen Seite stört das Ding nicht mehr genug, um auch nur darüber nachzudenken, deswegen einen Streit vom Zaun zu brechen.

Sicherlich spielt auch mit rein, dass ihr bewusst ist, dass sie ja gerade deswegen zusammen in den Urlaub nach Europa fliegen, weil das eine Belohnung dafür ist, dass sie ihre Außenspange so "vorbildlich" trägt. Und da sollte sie sich doch - gerade jetzt - von der besten Seite zeigen, oder nicht?

Ganz zu schweigen davon, dass sie den Metallbogen ohnehin nicht "rund um die Uhr" tragen muss. Im Hotelzimmer wird sie das Ding schon tragen, aber sie wird es garantiert nicht umschnallen, wenn sie mit ihren Eltern durch Paris schlendert. Und dann ist das doch aushaltbar!



Zumindest hatte sie sich das so vorgestellt. Aber am dritten Tag ihres Urlaubs hatte es plötzlich begonnen, zu schneien.

So richtig große, weiche, weiße Flocken sinken in Schwärmen langsam vom Himmel zu Boden. Die Eltern können ihre Tochter gerade noch dazu bringen, die Winterjacke anzuziehen, dann war sie schon aus dem Zimmer gerannt. Jetzt steht auf dem Innenhof des Hotels und starrt mit großen Augen in den Himmel.

Rosa wusste zwar - da sie aus dem südlichen Teil der USA kommen - dass ihre "Schnee-Erfahrungen" begrenzt sind, aber die Menge an weißen gefrorenen Wasser-Kristallen, die sie in Frankreich sieht, hatte sie dann doch erstaunt. Für Leute aus Kanada oder Alaska wäre das lachhaft, aber für das Mädchen aus den Südstaaten sind die acht Zentimeter Schnee eine kleine Sensation.

Und DIESE Art von Schneefall, das hatte sie ja noch nie gesehen. Sie kichert, als eine große Schneeflocke einem Schmetterling gleich auf ihrer Wange landet. Und ist ein wenig enttäuscht, als der "Schmetterling" dann umgehend schmilzt.

Als ein weiterer "Schmetterling" sich auf ihrer Nase niederlässt, greift sie entzückt danach. Und hält dann mit großen Augen inne, als ihre Hand an etwas hängenbleibt. Sie hatte so überstürzt das Hotelzimmer verlassen, dass sie ganz und gar vergessen hatte, dass sie nach wie vor ihre Außenspange trägt.

Plötzlich nervös, blickt Rosa sich um: Inzwischen ist sie nicht mehr alleine auf dem Innenhof. Ein paar andere Kinder und auch vereinzelt Erwachsene sind dazu gekommen und wollen den Schneefall direkt erleben. Anscheinend ist sie nicht die einzige, auf die die Flockenpracht eine seltsame Faszination ausübt.

Niemand sieht, wie Rosas Wangen noch roter werden, als sie es von der Kälte ohnehin schon sind. Soll sie ihre Spange rausnehmen? Nein, sie entscheidet sich dagegen: Erstens scheint ohnehin niemand von ihr Notiz zu nehmen; die Aufmerksamkeit aller ist auf die von oben kommenden Flocken gerichtet. Und wenn sie ihr Headgear rausnehmen würde und jemand sie dabei beobachten würde... DAS würde noch peinlicher sein...

Und dennoch ist sie froh, als nach ein paar Minuten ihre Eltern zu ihr stoßen und ihr einen Schal mitbringen. Erstens wird es langsam kalt und zweitens kann sie ihren Metallbogen darin verbergen. Um das Nackenpolster muss sie sich keine Gedanken machen, ihr Haar ist inzwischen lang genug geworden, das blaue Polster sicher zu verbergen. Aber jetzt ist auch der silberne Bogen verborgen.



Der Schnee fasziniert das Mädchen, doch von der damit einhergehenden Kälte ist sie deutlich weniger angetan. Und doch baut sie zwei Tage später den ersten Schneemann ihres Lebens.

Von dem Feuerwerk zu Silvester ist Rosa gleichzeitig fasziniert und verängstigt. Genauer gesagt nicht von dem Feuerwerk an sich, sondern von der Tatsache, dass anscheinend in Europa jedermann Raketen abschießen darf. Ihren Eltern geht es nicht anders: "Dass die sich nicht gegenseitig in die Luft jagen, ist ein Wunder!", findet auch der Vater. Sie entscheiden sich deswegen dagegen, während des Feuerwerks durch die Straßen von Paris zu ziehen. Das scheint ihnen dann doch zu riskant zu sein.

Dem - übrigens erstklassigen - Hotel, in dem sie wohnen, scheint die Tatsache durchaus bewusst zu sein. Die Gäste haben daher die Möglichkeit, ein begrenztes Sortiment an Feuerwerkskörpern vom Hotel zu erwerben und auf einem hoteleigenen Platz abzuschießen. Unter den wachsamen Augen von Hotel-Angestellten, die Acht geben, dass die Sicherheit gewahrt bleibt.

"Bist Du Dir sicher, dass Du das willst?", fragen die Eltern erstaunt, als sie ihr Hotelzimmer verlassen. "Wir werden da unten nicht alleine sein, weißt Du!"

"Ist schon klar", nickt Rosa mit rotem Kopf. "Ist aber auch nur heute. Zur Feier des Tages oder so. Ihr braucht nicht zu erwarten, dass ich das ab sofort immer mache..."

Und so kommt auch Rosa dazu, eigenhändig ein paar Raketen steigen zu lassen und dabei das Spektakel über den Dächern von Paris aus sicherem Abstand zu verfolgen. Die Explosionen der Feuerwerkskörper werden von dem silbernen Bogen um ihr Gesicht reflektiert. Sie weiß durchaus, dass einige neugierige Blicke an ihr hängenbleiben, aber heute... heute stört sie das nicht.



Rosa entscheidet sich, im nächsten Schuljahr Französisch lernen zu wollen. Hoffentlich wird ein Kurs angeboten. Und sie will auf jeden Fall wieder mal nach Frankreich!



Auch Dr. Coleman ist mit seiner Patientin zufrieden. Sie arbeite gut genug mit, lobt er sie. Auch wenn sie nicht jeden Tag die Tragezeiten schaffe - und Rosa ist so ehrlich, nicht zu schummeln - arbeite sie doch konsequent genug mit, dass er die Prognose, wie lange sie noch mit Außenspange leben müsse, bereits reduzieren konnte.

Dummerweise hat sie aber immer noch einige Monate vor sich. "Also wenn ich ungefähr ein Jahr 'ne Außenspange brauche, müssen meine Zähne wirklich verflixt viel schiefer gewesen sein als ich mir gedacht hatte..."

Doch glücklicherweise wird die restliche Zeit deutlich "problemfreier" vergehen, als sich Rosa in ihren Alpträumen ausgemalt hatte. Sie wird ihre Außenspange nie in der Uni tragen, aber Stück-um-Stück werden einige ihrer neuen Freunde davon erfahren.

ENDE - Keine Fortsetzung

Nochmal meine Bitte um Eure Meinung: War die Fortsetzung wert, gelesen zu werden oder kann/soll ich mir so etwas bei der nächsten story sparen?